Vier-Tage-Lesung
Aus Jahren
Wurden vier ganze Tage
Die Namen genarbt
In das Allheilmittel
Des Steines
Gelesen und wieder gelesen
Zu zeugen
Irgendwo von außerhalb
Ins Leben hinein
Die Erinnerung
Abgetauschter Schläge
Und dessen was einst
Die Zukunft trieb
Die alten Sonnenblumen
Beugen die Köpfe
Über die Namen
All die Namen
Dass eine Rede anhebe
Vom Verlustigen
Da hat es besser
das abtrünnige Gras
Nicht einmal der Sandpfeifer
Bläst es über die Grenzen
In gähnende Urnen

Gerburg Garmann
Refugium
"Abstraktion. Die kühle Romantik dieses Stils ohne Pathos ist unerhört."
Wär ich nur dort, am anderen Ort.
Nicht Gründer, nicht Klassik, nicht Neo.
Erzweckte Eklipse, punktum.
Nach siebentägigem Wetterleuchten
die baufälligen Träger seitab gelassen,
die Zeitschleudern des Vergangnen
entsteint, das Gehirn entsäult und
entstrumpft, die alten Moden im
strikten Gestus empörter Entschlossenheit
gegen frühreife Aszendenzen getauscht.
Mal Embryo, mal Engel, mal Ego,
in seinen steilen Glassinfonien treib,
schweb ich schwerelos, schwimm ich
von einer fehlenden Tragstütze zur anderen.
Der Bau jenseitiger Abstraktionen:
In der unpathetischen Stiftung
neuer Konturen gelang der kühne Wurf,
die Geschichte räumte sich auf.
Wieviel mehr sie halten,
die Tempel des Kargen,
mit raffiniert kühler Strenge
trennten die Himmelsstürmer
das Gestern vom Morgen,
versagten sich selbst jegliche Rückschau,
dem wieder umgekehrten, frontal ins Kommen
geworfenen, Licht trinkenden Engel auch.
Lebte ich nur auf Farnsworth's Stelzen,
das Seagram muß es nicht sein, und auch
nicht der Ort, wo das Gras immer grüner ist.
Nein, lebte ich nur im selben Atemzug mit
dem einen, den schwer beweglichen Strukturen
vorauseilenden Schritt, der das Unerzählbare
mit sich selbst austrug.

Gerburg Garmann